E-Bikes sind zuverlaessig und gesund, also warum nutzen sie nicht mehr Leute?

Sie sind billiger als elektrische Autos und einfacher zu laden. Die neuesten elektrischen Fahrräder, auch E-Bikes genannt, sind eine praktische Lösung für die Stadt.

Und die Idee ist nicht einmal neu. Bereits 1946 wurde das Vélosolex in Frankreich entwickelt – ein Fahrrad mit Motor. 

Ein Freund von mir verspottete gern stolze Autobesitzer, die leidenschaftlich darüber sprachen, was ihr Fahrzeug in Kilometern pro Liter boten und andere solche Metriken der Leistung. Aber jetzt ist er derjenige, der an Ampeln oder vor dem Supermarkt steht, seine Einkäufe einpackt und nebenbei fröhlich über die Reichweite, Akkulaufzeit und Geschwindigkeit seines geliebten Fahrrades mit jedem plaudert, der fragt. Und die Leute fragen. Ein anderer Freund fährt ein Velosolex 3800 und ist mindestens genauso stolz. Dieses Vintage-Teil sieht aber auch ganz nett aus. Manchmal kommen die beiden aus Fachsimpel nicht heraus.

Die tägliche Fahrt von der Wohnung zur Arbeit meines Velosolex Freundes beträgt 13 km pro Strecke, eine ziemlich hügelige Reise in die Stadt, die etwa 30 Minuten dauert, im Vergleich zu einer Stunde mit dem Bus an einem schlechten Tag (und auf der Strecke sind sie meist schlechte Tage). Als Transportmittel ist es perfekt: es ist schnell, billig, grün und bringt enormen Spaß. Man kann mit ihm bis an die Spitze eines Hügels fahren, ohne in Schweiß auszubrechen.

Beim Aufladen eines E-Bikes wird der Akku aus seiner Halterung entnommen und in ein Ladegerät gesteckt, wie bei einem großen Handy-Ladegerät in einer normalen Steckdose. Es dauert ungefähr drei Stunden, um es völlig aufzuladen. Die Batterie kann 1000 Mal aufgeladen werden, bevor sie ersetzt werden muss.

E-Bikes oder Pedal-assist Bikes, wie sie manchmal genannt werden von einigen Fahrrad-Puristen als ein Cheat-Option verpönt. Aber diese motorisierten Fahrräder können auch nicht mit normalen Fahrrädern verglichen werden. Wenn man ein Vergleich zieht, dann vielleicht eher mit Mofas.

E-Bikes wie das Velosolex werden hauptsächlich von Pendlern in Großstädten und von einer zunehmenden Anzahl von Eltern verwendet, die ihre Kinder auf elektrischen Fahrrädern zur Schule bringen. Und alte Leute lieben sie.

Mein 65-jähriger Nachbar, der ebenfalls ein Velosolex fährt, sagte einmal: "In unserem Alter wird man nicht schneller, aber man wird schlauer.“

E-Bike werden bisher kaum genutzt, aufgrund mangelnder Kenntnis. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 500.000 Pedelecs verkauft. Ich glaube, die Leute wissen einfach nicht, dass sie existieren. Ich habe im vergangenen Jahr aus beruflichen Interesse eine Menge an Nachhaltigkeitsveranstaltungen besucht. Dort wurden auch häufiger E-Bikes vorgestellt. Die meisten Menschen sind erst einmal skeptisch, aber wenn sie es ausprobieren, ändern sie schnell ihre Meinung über E-Bikes. Die Kosten für die elektrischen Fahrräder liegen zwischen 3.500 und 10.000 Euro. Zu diesem Preis kann man sich tatsächlich auch ein Auto anschaffen, mit dem man bei jedem Wetter komfortabel von A nach B kommt. Allerdings sind die fehlenden Haltungskosten ein großer Pluspunkt der E-Bikes. Es gibt keine Versicherungs- oder Registrierungskosten, jeder Akku kostet weniger als 20 Cent und man kann überall parken.

Das Argument, dass elektrische Fahrräder eine faule Option sei. Das Fahren eines Pedal-Assist-Bikes mit niedriger Leistung wird die Herzfrequenz des Radfahrers konsequent erhöhen, ohne die plötzlichen Höhen, die auf Hügeln auf einem normalen Fahrrad zu entstehen. E-Bike-Besitzer haben die Wahl, Körpereinsatz zu zeigen, in dem sie die Pedale zu treten oder sie entscheiden sich tatsächlich für die faule Version. Aber eine reduzierte Anstrengung ist doch immer noch besser als gar keine.

Die Zielgruppe für E-Bikes war ursprünglich Menschen über 50, aber die neuesten Modelle werden an hippe junge Leute mit einer Vorliebe für Mountainbiken vermarktet. 

Die europäische Norm EN15194, der E-Bikes entsprechen müssen, deklariert sie in der gleichen Klasse wie herkömmliche Fahrräder. Pedelecs (Pedalfahrrad ohne Drosselklappe) dürfen einen Motor von bis zu 250 Watt (Dauerleistung) haben, aber der Motor muss ausgeschaltet werden, wenn die Geschwindigkeit 25 km / h erreicht oder der Fahrer das Treten stoppt. Fahrräder mit einer Drosselklappe können nur einen 200-Watt-Motor haben.

E-Bikes sind ein Hybrid aus menschlicher und elektrischer Energie und arbeiten mit perfekter Integration durch die Zauberei der Sensoren und der robusten Elektronik. Sie stellen eine pragmatische Lösung für die Herausforderungen in unseren modernen städtischen Umgebungen dar, wo wir letztlich Autofahrten durch Fahrradtouren ersetzen wollen.

Ich muss gestehen, dass ich bisher weiterhin mit meinem Fahrrad (ohne Elektroanschub) zur Arbeit fahre und gern mein Car2go bei schlechtem Wetter nutze. Außerdem fahre ich am Wochenende gern meine Harley-Davidson aus. Ich mag Geschwindigkeit und PS und auch für mich waren Mofas und E-Bikes wie das Velosolex eher was für alte Menschen.

Je mehr ich mich allerdings mit dem Thema E-Bikes auseinandersetze, desto interessanter wird diese Alternative. Ich werde wohl im ersten Schritt das alte Velosolex meines Freundes ausleihen, um eine längere Testfahrt zu machen. Eine Investition ist das Gefährt ja schon. Da will ich auf Nummer sichergehen. Auf jeden Fall hat sich meine Meinung über E-Bikes in den letzten Monaten grundlegend geändert.